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Osterholzer Kreisblatt, 15. Juli 2005

Bestseller mit Potenzial für die Zukunft

Martin E. Platz hat Jan Torf im Handel etabliert / Sohn wird weitere Produkte vermarkten

Carsten und Martin Platz
(Bild: Vater und Sohn und Jan Torf)
Haben Erfolg mit der Verbindung
von Torfkultur und Kräuterlikör:
Martin E. Platz (rechts) und
Sohn Carsten.
HOR/FOTO: ROLAND HOFER
Von unserem freien Mitarbeiter
Roland Hofer

Worpswede (hor). Wehmut, aber auch Zuversicht schwingt in der Stimme mit, wenn Martin E. Platz von der Zukunft seines „Jüngsten“ spricht. Er hat ihn ins Leben gerufen, aufgepäppelt und fürs Überleben fit gemacht. Nun will er ihn im zarten Alter von sechs Jahren langsam in bewährte Hände weitergeben. Schließlich hat sein „Sprössling“ gezeigt, was er kann und wie er ankommt: Jan, mit Nachnamen Torf, ist bekannt in der Region, und die ersten Sporen hat er sich längst verdient.

„Er hat das Rüstzeug, um sich auch gegen die Starken zu behaupten“, schmunzelt der Worpsweder und präsentiert die acht Verkaufsgrößen im einheitlichen Markendesign. Als regionale Spirituose hat sich Jan Torf im Umkreis von 150 Kilometern im Handel etabliert und wird immer beliebter.

Vier Außendienstler und sein Sohn sind zwischen Ostfriesland, Verden und Stade unterwegs, um die 300 Verkaufsstellen in Handel und Gaststätten zu beliefern. Platz kümmert sich ums Strategische, ein Metier, das der Betriebswirt aus seiner Zeit als Marketingprofi zweier Spirituosenfirmen beherrscht. Stück um Stück hat er das Verkaufsnetz enger geknüpft und immer mehr Partner gewonnen.

Heute steht sein Kräuterbitter in ausgesuchten Fachgeschäften, den Filialen von Aktiv, Neukauf und Minimal – und im Berliner KDW. Doch den größten Coup hat er jüngst bei Marktkauf gelandet. Gleich 17 Märkte listen das Teufelsmoor-Produkt. Das Ergebnis: achtfacher Umsatz in sechs Jahren.

Dieser Erfolg ist sorgfältig geplant und steht auf vielen Säulen. „Sie brauchen ein hochwertiges Produkt, das schmeckt“, sagt Platz. Das Likörrezept aus Marketingzeiten hat er daher in „langen und fröhlichen Testreihen ausgiebig verfeinert“.

Die Flaschen wurden mit Bedacht ausgesucht, ein Grafikprofi betreut das Produktdesign von den Etiketten über die Anzeigen und Prospekte bis zur Homepage. Platz erweiterte ständig die Produktpalette um Künstlereditionen, den kräftigeren „Bittere Tropfen“ und Geschenkpackungen.

Das richtige Gespür hatte er jedoch, als er seinen Likör in der Tradition der Torfstecher, Kahnfahrer und Moorbauern verwurzelte. „Jan Torf ist authentisch, weckt nostalgische Gefühle und spiegelt ein Stück Teufelsmoor-Kultur“, sagt Platz. Der Verbraucher habe Sehnsucht nach regionalen Produkten und Unverfälschtem in Zeiten der Massenwaren. Auch der Handel suchte Echtes: Die Zentralen riefen Platz an und er lieferte – trotzt gehobener Preise. Andere rannten sich die Haken ab.

Die Homepage (www.jantorf.de) zeigt, wie man Nostalgie verpackt. Historische Fotos von Rudolf Dodenhoff mit Erläuterungen zeichnen die Zeit der Torfschiffer nach - für Insider op platt. Sinnsprüche, ebenfalls op platt, sind nah dran am Leben der einstigen Moorbewohner. Wer’s noch lebensnäher mag: Der Unruheständler organisiert auch die Torfkahnfahrt mit allem drum und dran.

Künftig will er kürzer treten, sich ins Kreativbüro zurückziehen, Firmen beraten und an Kampagnen tüfteln. Sein Sohn Carsten Platz wächst derweil in die Geschäfte hinein, kümmert sich um den Internetvertrieb und leistet das Marketing vor Ort: in Tracht und Holschen am Probierstand, inmitten von Bannern, Weidenkörben und Torfsoden. „Jan Torf verkauft sich über die Person und das Umfeld; die Kunden müssen das Produkt möglichst mit allen Sinnen erfahren“, sagt der Seiteneinsteiger mit Werbeerfahrung.

Zusammen mit einem Kaufmann wird er als Geschäftsführer künftig die Fäden ziehen. „In Jan Torf steckt noch viel Potenzial, das wir kreativ umsetzen wollen“, blickt er in die Zukunft. Carsten Platz will das Händlernetz verdichten und neue Produkte unter der Dachmarke Jan Torf vermarkten.

Die Ideen dafür hat Martin E. Platz bereits in der Schublade: Säfte, Honig, Wurstwaren und einen Klaren. Auch um Merchandising-Artikel wie Caps und Polo-Shirts wird sich der Nachfolger kümmern. Es werden noch kompetente Produktions- und Kooperationspartner gesucht, die am Potenzial von Jan Torf teilhaben möchten.

Osterholzer Kreisblatt, 15. Juli 2005
 
 
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