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Land und Forst, Roland Hofer

Erfolg mit Nostalgie und Geschmack

Martin E. Platz
Martin E. Platz

Torfkähne und Jan Torf symbolisieren die Tradition der Torfstecher im Teufelsmoor

Carsten Platz ist mit der Saison zufrieden: Rund 2000 Ausflügler und Touristen hat der Torfkahnskipper zusammen mit Kollegen von Mai bis Oktober auf der Hamme zwischen Worpswede und der Osterholz-Scharmbeck transportiert. Eine tolle Bilanz: Denn alles, was an die Kultur der Moorbauern im Teufelsmoor erinnert, wird nachgefragt. Auch Jan Torf schwimmt auf dieser Erfolgswelle. Der Kräuterbitter und die Torfkähne sind zwei Aushängeschilder des regionalen Tourismus´.

Landwirtschaft und Naturschützer sorgen zusammen mit den Touristikern und der Gastronomie dafür, dass der Touristenstrom im Teufelsmoor zwischen Bremen und Bremervörde nicht abebbt. Die extensive Nutzung als Weide und die Schutzgebiete haben viel vom historischen Naturraum bewahrt: Moore, Torfkanäle und Biotope werden von den Touristen geschätzt.

Doch die Geldquelle Tourismus sprudelte erst, als die Moorbahn reaktiviert wurde, die Worpsweder Künstlertradition professionell vermarket und 18 alte Torfkähne nachgebaut wurden.

Besonders die Kähne sind das Symbol für die alte Tradition der Moorbauern. Für Torfkahnskipper Carsten Platz sind sie „eine Chance, Kulturgut für die Nachwelt zu bewahren und ein Job, der richtig viel Spaß macht“.

Während die Fahrgäste über die Hamme segeln, entführt er sie in den Alltag der Moorbauern, die als Torfstecher entlang von Hamme und Wümme ihr Brot verdienten. Der Schwarztorf wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts über die Torfkanäle und die beiden Flüsse nach Bremen verschifft. Dort wurde der Torf bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Brennstoff verkauft.

Carsten Platz sieht sich als Fremdenführer, der dieses Stück Heimatkultur weitergeben möchte. Sein Kahn fasst 18 Ausflügler – damals ein halbes Hunt, das Raummaß für 50 Kiepen Torfsoden. Wer mit ihm oder einem der drei Kollegen auf dem hauseigenen Torfkahn mitfahren möchte, kann buchen bei Matthias Mahnke (Telefon 04791/981680) oder unter www.torfschiffer.de.

Eng verknüpft mit der Moorbauern-Tradition ist auch Jan Torf. Einst Name einer literarischen Figur in der Region, wurde der Begriff durch Martin E. Platz zum Markenzeichen. Vor sechs Jahren hat er seinen gleichnamigen Kräuterbitter auf den Markt gebracht und damit einen Imageträger geschaffen, der die Kulturgeschichte des Teufelsmoors verkörpert. Er wird in den Gaststätten der Region getrunken, in den Geschäften verkauft und geht als Geschenk in alle Kontinente.

Der Betriebswirt und Marketingprofi aus der Spirituosenbranche hat das Original längst um einen kräftigeren „Bruder“, mehrere Flaschengrößen und Geschenkeditionen erweitert. Heute ist der Likör ein Botschafter der Region und im Umkreis von 150 Kilometern auch in den Filialen der großen Lebensmittelketten zu finden. „Wir setzen einfach in Zeiten der Globalisierung auf die Torfstechertradition statt Entfremdung, auf Nostalgie und Identität statt Gleichförmigkeit“, erklärt Platz das Erfolgsrezept.

So ziert ein stilisierter Torfkahn das Etikett der Flaschen, Brauntöne bestimmen die Verpackungen, Prospekte und Banderolen erinnern an das Teufelsmoor und seine Geschichte. Für alle die mehr über die alten Zeiten erfahren wollen, hat Platz auf seiner Homepage (www.jantorf.de) Originalfotos und Geschichten versammelt. Wer möchte, kann sogar eine Version auf Platt anklicken und sich in die Sprache einlesen, die heute noch von den Teufelsmoorbauern gesprochen wird.

Von Roland Hofer


 
 
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