Grammatik
Artikel und Pronomina
- Substantive haben (wie im Hochdeutschen) drei Geschlechter: männlich, weiblich und sächlich
- de Mann („der Mann“), Akkusativ: den Mann
- de Fru („die Frau“), Akkusativ: de Fru
- dat Kind („das Kind“), Akkusativ: dat Kind
- Die Personalpronomina sind einander ähnlich, insbesondere hat die dritte Person Singular eine andere Wurzel als im Hochdeutschen (he statt er)
- Singular: ik, du, he, se, dat (ich, du, er, sie, es)
- Plural: wi, ji, se (wir, ihr, sie)
- Possesivpronomina
- Singular: mien, dien, sien, ehr (mein, dein, sein, ihr)
- Plural: uns, jo, ehr (unser, euer, ihr)
- Demonstrativpronomina haben (anders als im Deutschen) nur zwei Genera: geschlechtlich und sächlich
- Singular: disse (dieser/diese, dieses, jener/jene, jenes)
- Plural: düsse/dese, de (diese, jene)
Vorsilbe ge-
- nnds. kööpt (vgl. dän. købt, ndl. gekocht, dt. gekauft)
- nnds. slapen (vgl. engl. slept, ndl. geslapen, dt. geschlafen)
Generell ist zu beobachten, dass es im nördlichen Sprachraum eine über das Partizip hinaus gehende Abneigung gegen das Präfix ge- gibt. So wird bereits in älteren Quellen ein Geschlechterbuch Slechtbook genannt. Mit dem hochdeutschen Verb gehören korrespondiert das niederdeutsche hören und - präziser - tohören. He hört de vun de Geest to = Er gehört zu denen von der Geest.
Verb
Das Perfekt und Plusquamperfekt wird - ähnlich wie im Deutschen - mit dem Hilfsverb hebben gebildet.
Das Futur wird zum Teil - anders als im Deutschen und ähnlich wie im Schwedischen - mit dem Hilfsverb schölen (verwandt, aber nicht bedeutungsidentisch mit dem Deutschen sollen) gebildet
Ik schall na School gahn kann sowohl Ich werde zur Schule gehen als auch Ich soll zur Schule gehen bedeuten. Tatsächlich bevorzugt das Niederdeutsche aber - wie auch das gesprochene Hochdeutsche, reines Präsens zur Bezeichnung des Futurs („Ik gah morgen na School to.“)
Zum Teil wird das Futur wie im Hochdeutschen mit dem Verb waarn (=werden-) gebildet: Ik waar morgen to School gahn (Ich werde morgen zur Schule gehen). Beide Möglichkeiten sind gleichwertig verwendbar.
Kasus
Das Kasussystem weist etwas von derselben Vereinfachung auf wie im Englischen und in den skandinavischen Sprachen - zumeist weisen die niederdeutschen Dialekte zwei Fälle auf, Akkusativ und Dativ sind häufig zum Objektiv vereinigt, der Genitiv ist durch den Objektiv oder durch präpositionale Fügungen ersetzt. Zudem sind selbst im Hochdeutschen Nominativ und Akkusativ bis auf eine Form (männl. Sg.) gleich.
Ik kiek den Mann an (Ich sehe den Mann an, Akkusativ)
Ik gääv den Mann Geld (Ich gebe dem Mann Geld, Dativ)
Min Vadder sin Hus (Das Haus meines Vaters, Genitiv)
Satzbau
²Der Satzbau des Niederdeutschen erlaubt Konstruktionen, die im Hochdeutschen als agrammatisch abgelehnt werden.
Zum Beispiel sind Sätze wie: Ick mach dat nich, gahn rut bi Rägen (hochdt. wörtlich: Ich mag es nicht, gehen hinaus bei Regen - vgl. Englisch: I don't like to go out in the rain) normal. Dieser Gebrauch des Infinitivs ist ein weiterer Unterschied zum Hochdeutschen.
Alternativ könnte man allerdings auch Ick mach dat nich, bi Rägen rut to gahn sagen.
Zum Beispiel sind Sätze wie: Ick mach dat nich, gahn rut bi Rägen (hochdt. wörtlich: Ich mag es nicht, gehen hinaus bei Regen - vgl. Englisch: I don't like to go out in the rain) normal. Dieser Gebrauch des Infinitivs ist ein weiterer Unterschied zum Hochdeutschen.
Alternativ könnte man allerdings auch Ick mach dat nich, bi Rägen rut to gahn sagen.
